Emrullah Efendi
Profilübersicht

Hervorstechende Eigenschaften
Emrullah Efendi wurde 1858 in Lüleburgaz als Sohn des Kaufmanns Ali Efendi geboren. Nach Abschluss seiner Grund- und Mittelschulausbildung in seiner Heimatstadt absolvierte er das Mekteb-i Mülkiye und erwarb ausgezeichnete Französischkenntnisse.
Seine berufliche Laufbahn begann im osmanischen Bildungswesen. Er war als Bildungsdirektor und Schulinspektor in den Provinzen Ioannina (Yanya), Saloniki, Aleppo und Aydın tätig. Während seiner Amtszeit in Aydın hielt er sich zeitweise in Europa auf und knüpfte in Genf Kontakte zu Kreisen der Jön Türkler.
Nach seiner Rückkehr nach Istanbul wurde er Mitglied des Bildungsrates (*Meclis-i Maârif*). Darüber hinaus lehrte er an der Universität (*Dârülfünun*), war Direktor des Galatasaray Mekteb-i Sultânîsi und Vorsitzender der wissenschaftlichen Abteilung des Bildungsrates. Nach der Ausrufung der Zweiten Verfassungsperiode wurde er als Abgeordneter von Kırklareli in das osmanische Parlament gewählt.
1910 übernahm Emrullah Efendi im Kabinett von İbrahim Hakkı Paşa erstmals das Amt des Bildungsministers (*Maarif Nâzırı*). 1912 wurde er im Kabinett von Said Paşa erneut zum Bildungsminister ernannt. Während seiner Amtszeit widmete er sich umfassenden Reformen des Bildungswesens – von der Grundschule bis zur Hochschule. Er setzte sich für die Umwandlung der Idâdî-Schulen in Sultânî-Schulen, den Ausbau des Dârülfünun, die Modernisierung der Lehrpläne und die organisatorische Neuordnung des Bildungsministeriums ein.
Seinen größten Platz in der türkischen Bildungsgeschichte verdankt Emrullah Efendi der sogenannten „Theorie des Tûbâ-Baumes“ (*Tûbâ Ağacı Nazariyesi*). Nach seiner Auffassung musste eine Bildungsreform von der Spitze des Systems ausgehen. Wenn das Dârülfünun gestärkt werde, könnten die dort ausgebildeten Fachkräfte anschließend auch die Sekundar- und Primarschulen reformieren. Diese Idee wurde in der Zeit der Zweiten Verfassungsperiode intensiv diskutiert, insbesondere mit Pädagogen wie Sâtı Bey, und fand Unterstützung bei Intellektuellen wie Ziya Gökalp.
Sein Einfluss beschränkte sich jedoch nicht auf die Bildungspolitik. 1908 gehörte er zu den Gründern und Leitungsmitgliedern der Türk Derneği und spielte eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung des frühen Türkismus. Die Inschrift auf seinem Grabstein bezeichnet ihn deshalb als „Großvater des Türkismus“ (*Türkçülüğün büyük babası*).
Bemerkenswert war auch seine enzyklopädische Tätigkeit. Mit dem Projekt *Muhîtü’l-Maârif* versuchte er, eine moderne türkischsprachige Enzyklopädie zu schaffen. Von diesem ambitionierten Vorhaben erschien jedoch nur der erste Band. Nach der Zweiten Verfassungsperiode versuchte er, das Projekt unter dem Titel *Yeni Muhîtü’l-Maârif* wiederzubeleben. Trotz seines unvollendeten Zustands gilt dieses Werk als einer der frühesten Vorläufer moderner türkischer Enzyklopädien.
Als prägende Persönlichkeit des Bildungswesens, der Politik und des Geisteslebens seiner Zeit verstarb Emrullah Efendi am 11. August 1914 in seinem Haus in Yeşilköy. Er wurde auf dem Friedhof (Hazire) der Fatih-Moschee in Istanbul beigesetzt.

Inschrift
Er ist der Ewige. Der große Emrullah Efendi, der in diesem Grab liegt, eröffnete neue Horizonte im nationalen Bildungswesen. Mit seinem tiefen Wissen auf allen Gebieten war er ein Wegweiser des Komitees für Einheit und Fortschritt. In Politik, Bildung und Ethik folgte er dem Grundsatz des „Etatismus“. Er war der große Vater des Türkismus. Möge der Herr ihm Seine Barmherzigkeit gewähren. Jahr 1914.
Eine Fatiha für seine/ihre Seele