Giritli Mustafa Naili Paşa
Profilübersicht

Hervorstechende Eigenschaften
Mustafa Nâilî Pascha wurde 1798 im Dorf Polyan des Bezirks Behlişte [Bilisht, heute Albanien], der zum Sandschak Kesriye [Kastoria] gehörte, geboren. Er war der Sohn von İsmail Bey aus der albanischstämmigen Behlişte-Dynastie. In jungen Jahren hielt er sich in Ägypten bei seinem Onkel mütterlicherseits, dem albanischen Tâhir Pascha, auf und trat später in den Dienst des ägyptischen Gouverneurs Kavalalı Mehmed Ali Pascha.
Während des Wahhabiten-Aufstands verbrachte Mustafa Nâilî Pascha fünf Jahre im Hedschas, wo er aufgrund seiner militärischen Erfolge den Titel des Truppenführers (Sergerde) erhielt und offiziell die militärische Laufbahn einschlug. Als Reaktion auf den kretischen Aufstand von 1821 begab er sich nach Iraklio [Kandiye] und wurde 1826 im Rang eines Beylerbeyi [Generalgouverneurs] sowie in der Funktion des Wächters von Iraklio zum Gouverneur und Oberbefehlshaber von Kreta ernannt.
Da er auf Kreta mit Unterbrechungen fast dreißig Jahre lang als Gouverneur amtierte, erlangte er historische Berühmtheit unter dem Beinamen „Giritli“ [Der Kreter]. Es gelang ihm, die Revolten und Unruhen auf der Insel niederzuschlagen und die Ordnung wiederherzustellen; im Jahr 1850 beherbergte er Sultan Abdülmecid während dessen Mittelmeerreise auf Kreta und wurde mit dem kaiserlichen Privilegien-Orden (İmtiyaz Nişanı) ausgezeichnet.
Im Jahr 1851 wurde Mustafa Nâilî Pascha nach Istanbul berufen und zum Mitglied sowie kurz darauf zum Präsidenten des Obersten Rates für Justizverordnungen (Meclis-i Vâlâ-yı Ahkâm-ı Adliyye) ernannt. In den Jahren 1853 und 1857 bekleidete er zweimal das Amt des Großwesirs (Sadrazam) und leitete die osmanische Staatsführung somit in der kritischen Phase des Ausbruchs des Krimkrieges.
In den späteren Jahren befasste sich Mustafa Nâilî Pascha erneut intensiv mit der Kreta-Frage und wurde während des großen kretischen Aufstands von 1866 ein weiteres Mal als Generalgouverneur auf die Insel entsandt. In den zeitgenössischen Quellen als loyaler, pflichtbewusster und außerordentlich großzügiger Staatsmann gerühmt, wurde der Pascha mit den höchsten Auszeichnungen des Reiches – dem İftihar-, dem İmtiyaz-, dem Mecîdî- und dem Murassa-Osmanî-Orden – dekoriert.
Giritli Mustafa Nâilî Pascha verstarb am 15. Şevval 1288 (28. Dezember 1871 n. Chr.) und wurde auf dem Gräberhof der Fatih-Moschee (Fatih Camii Haziresi) beigesetzt.

Inschrift
„Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Erbarmiers.
Die spirituelle Stütze und Zuflucht von Hacı Nureddin Efendi auf dem Pfade des Sufismus [Tarikatta] war ohne Zweifel der ehrwürdige Abdülgani [höchstwahrscheinlich Sheikh Abdülgani el-Nablusi oder ein regionaler Ordensmeister], aus dessen reinem Stamme er stammte. Wenn er auch im Amte eines Richters [Hakimlik / Kadılık] wirkte und verschiedene Staatsgeschäfte versah, so hielt er sich doch auch bei all diesen Aufgaben stets fest am Seile der heiligen Scharia des ehrwürdigen Propheten Mohammed.
Er war ein Diener des religiösen Gesetzes und ein Wanderer auf dem Pfade Gottes [Allah Yolunun Yolcusu]. Bis an das Ende seines Lebens war sein einziges Begehren die göttliche Wahrheit [Hakk]. Auf beiden Ebenen – im Weltlichen wie im Geistigen – wurden diese Eigenschaften zu seinen großen Tugenden. Der Vogel seiner Seele ist nun davonbeflogen und hat sein ewiges Nest gefunden.
Zwei Derwische traten hervor und sprachen, wie es sich für Derwische geziemt, das Chronogramm seines Todes: ‚Nureddin Efendi ist verstorben, möge sein Grab von göttlichem Licht erfüllt sein [Mezarı Nur Dolsun].‘
Eine Fatiha für seine/ihre Seele