Kemal Haşim Karpat
Profilübersicht

Hervorstechende Eigenschaften
Kemal Haşim Karpat wurde am 15. Februar 1923 in Rumänien, in der Dobrudscha-Region nahe Babadağ im Dorf Armutlu geboren. Er stammte aus einer krimtatarisch-türkischen Familie. Seine Kindheit verbrachte er in einem vielsprachigen und multikulturellen Umfeld der Balkantürken und muslimischen Gemeinschaften nach dem Ende des Osmanischen Reiches. Dieses Umfeld prägte später seine wissenschaftliche Ausrichtung auf Migration, Bevölkerung, Identität, Urbanisierung und sozialen Wandel.
Er begann seine Ausbildung an der Mecidiye-Medrese und setzte sie später in der Türkei fort. Nach seinem Abschluss an der Juristischen Fakultät der Universität Istanbul ging er in die Vereinigten Staaten. Dort absolvierte er seinen Master an der University of Washington und promovierte an der New York University. Diese Kombination aus Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften prägte seinen interdisziplinären Zugang zur Geschichtsforschung.
Kemal Karpat betrachtete die osmanische Geschichte nicht nur unter dem Aspekt von Dynastie, Krieg und Staatsorganisation, sondern vor allem durch demografische Entwicklungen, Migration, Urbanisierung, Land-Stadt-Wanderung, soziale Schichten und Identitätsbildung. Werke wie *Ottoman Population, 1830–1914*, *The Politicization of Islam* und *Turkey’s Politics: The Transition to a Multi-Party System* zählen zu den grundlegenden Studien für das Verständnis der gesellschaftlichen Transformation vom Osmanischen Reich zur modernen Türkei.
Die längste und einflussreichste Phase seiner akademischen Karriere verbrachte er an der University of Wisconsin–Madison. Dort trug er wesentlich zur Institutionalisierung der Osmanistik und Turkologie bei, gründete das *International Journal of Turkish Studies* und baute ein internationales Forschungsnetzwerk auf. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen in der Türkei, Rumänien und den Vereinigten Staaten.
Sein eigenes Leben spiegelte gewissermaßen die Themen seiner Forschung wider: geboren in der Dobrudscha, ausgebildet in Istanbul, akademisch etabliert in den USA, machte er die Migrations- und Transformationsprozesse der post-osmanischen Welt zu einem zentralen Thema der globalen Geschichtsschreibung. Der Titel seiner Memoiren *Acıyı Bal Eylemek* („Den Schmerz in Honig verwandeln“) verweist auf die biografische Dimension dieses Lebens zwischen Migration und Erinnerung.
Kemal Haşim Karpat verstarb am 20. Februar 2019 in Madison. Sein Leichnam wurde nach Istanbul überführt; nach dem Totengebet in der Fatih-Moschee am 25. Februar 2019 wurde er in der Hazire der Fatih-Moschee beigesetzt.
