Mehmed Nureddin Efendi
Profilübersicht

Hervorstechende Eigenschaften
Mehmed Nureddin Efendi wurde 1827 in eine tief verwurzelte Gelehrtenfamilie [Ulemâ] in Pljevlja geboren, welches in der osmanischen Ära unter dem Namen Taşlıca bekannt war.
Seine erste Ausbildung erhielt er in Taşlıca und Sarajevo; im Anschluss setzte er seine akademischen Studien an der Şehzade-Medrese in Istanbul fort. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wirkte er als Prediger [Vaiz] an einer Mittelschule [Rüşdiye] und wurde im Jahre 1866 in das Amt des Islamischer Rechtsgelehrters von Taşlıca berufen.
Mehmed Nureddin Efendi, welcher im kollektiven Gedächtnis der Bosniaken und des Sandžak unter dem Namen Şemsikadiç [Islamischer Rechtsgelehrterja Šemsikadić / Hafiz Kadić] weithin bekannt ist, wird bis heute mit dem ehrfurchtsvollen Beinamen „Der Drache des Sandžak“ [Sancak’ın Ejderi] tituliert. Während der Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn im Jahre 1878 trat er nicht mehr nur als geistlicher Islamischer Rechtsgelehrter auf, sondern schwang sich zu einer der führenden Galionsfiguren des militärischen Widerstands auf.
Seine Ankunft in Sarajevo im Juli 1878 wurde von der Bevölkerung mit immenser Begeisterung aufgenommen; in der am darauffolgenden Tag abgehaltenen Provinzversammlung rief er die Einwohner unterschiedlichster Religionszugehörigkeiten dazu auf, gemeinsam geschlossen Widerstand gegen die Okkupation zu leisten. In der Folgezeit tat er sich insbesondere bei der Verteidigung der Region um Tuzla hervor; an der Spitze von Freiwilligenverbänden aus Ostbosnien, dem Sandschak Novi Pazar [Yenipazar Sancağı] und dem Kosovo wurde er zum absoluten Symbol des zähen Widerstands, der den Vormarsch der österreichisch-ungarischen Truppen massiv erschwerte.
Dass er auf seiner Grabinschrift mit den monumentalen Prädikaten „Unter den namhaften Gelehrten“ [Ulemâ-i Benâm] und „Zu den zutiefst ehrwürdigen Würdenträgern des Gelehrtenstandes“ [Ricâl-i İlmiyye-i Zevi’l-İhtirâm] gewürdigt wird, spiegelt sowohl sein enormes Prestige innerhalb der akademischen Elite Istanbuls als auch seinen unvergesslichen Platz im Gedächtnis des Volkes wider.
Der berühmte Islamischer Rechtsgelehrter von Taşlıca, Mehmed Nureddin Efendi, verstarb am 4. Cemaziyelevvel 1306 nach der Hidschra (6. Januar 1889 n. Chr.) und wurde auf dem Gräberhof der Fatih-Moschee [Fatih Camii Haziresi] beigesetzt.

Inschrift
Hier ist die deutsche Übersetzung dieses historisch hochinteressanten Grabinschriften-Textes (Kitabe) für den berühmten balkanischen Gelehrten und Widerstandsführer Mehmed Nureddin Efendi. Die Übersetzung bewahrt den andächtigen und respektvollen Tonfall des osmanischen Originals:
„Er [Gott] ist der Ewige.
Eine Fatiha für die Seele des der göttlichen Barmherzigkeit und Vergebung anheimgefallenen Mehmed Nureddin Efendi – dem berühmten Islamischer Rechtsgelehrter von Pljevlja [Taşlıca Müftüsü] und einer der namhaftesten und zutiefst ehrwürdigen Persönlichkeiten aus dem Stande der Gelehrten [Ulemâ] – sowie für die Seelen aller Gläubigen.
6. Januar 1889.“
Eine Fatiha für seine/ihre Seele