Mehmet Genç
Profilübersicht

Hervorstechende Eigenschaften
Mehmet Genç wurde am 4. Mai 1934 im Bezirk Arhavi in Artvin geboren. Nach dem Abschluss des Haydarpaşa-Gymnasiums in Istanbul absolvierte er die Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Ankara, Abteilung für Finanzen und Wirtschaft. Anschließend arbeitete er kurzzeitig als Verwaltungspraktikant bei der Gouverneursverwaltung von Ankara sowie als stellvertretender Kaymakam in Şereflikoçhisar, bevor er sich der akademischen Laufbahn zuwandte.
Im Jahr 1960 trat er in das Institut für Türkische Wirtschaftsgeschichte der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Istanbul ein und begann seine Arbeit unter der Leitung von Ömer Lütfi Barkan, einer der Gründungsfiguren der osmanischen Wirtschaftsgeschichtsschreibung. Seine Forschung, die ursprünglich die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die osmanische Industrie untersuchte, führte ihn tief in das Osmanische Archiv in Istanbul. Steuerregister, Mukataa-Defter, Budgets, Preisserien und Finanzdokumente wurden zur zentralen Grundlage seiner historischen Analyse.
Mehmet Genç entwickelte einen Ansatz, der die osmanische Wirtschaft nicht nur über Zahlen und Institutionen erklärt, sondern über die Denkweise des Staates hinsichtlich Gesellschaft und Markt. Seine Konzepte von „Iaşe“, „Fiskalismus“ und „Traditionalismus“ gehören zu den meistverwendeten Interpretationsrahmen in der Osmanistik.
Ab 1983 war er an der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften der Marmara-Universität im Fach Geschichte tätig. Dort unterrichtete er osmanische Wirtschaftsgeschichte und historische Methodologie. Auch nach seiner Emeritierung setzte er seine Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten in Istanbul fort. Seine Schüler und Kollegen erinnerten ihn als einen Gelehrten mit großer Geduld, methodischer Strenge und einer ruhigen, quellenorientierten Arbeitsweise.
Ein Teil seiner wichtigsten Artikel wurde im Jahr 2000 unter dem Titel *Osmanlı İmparatorluğu’nda Devlet ve Ekonomi* veröffentlicht. Gemeinsam mit Erol Özvar verfasste er das Werk *Osmanlı Maliyesi: Kurumlar ve Bütçeler*, das zu den grundlegenden Referenzwerken der osmanischen Finanzgeschichte zählt. Zudem schrieb er Artikel für die TDV İslâm Ansiklopedisi über Themen wie Iltizam, Malikâne, Mukataa, Esham und die osmanische Wirtschaftsstruktur.
Im Jahr 2015 erhielt er den Großen Preis für Kultur und Kunst des Präsidenten der Türkei. Mehmet Genç verstarb am 18. März 2021 in Istanbul. Nach dem Totengebet in der Fatih-Moschee wurde er am 19. März 2021 in der Hazire der Fatih-Moschee beigesetzt.
