Änderungen nach dem Bau
Historische Dokumente belegen, dass sich auf diesem Areal ursprünglich die private Residenz von Kemankeş Kara Mustafa Pascha befand, der zwischen 1638 und 1644 das Amt des Großwesirs bekleidete.
Nach der Hinrichtung von Kemankeş Kara Mustafa Pascha im Jahr 1644 diente der Palast als offizieller Amtssitz des Großwesirs (Sadaret) und beherbergte in der Folge zahlreiche Amtsinhaber.
Beim Großen Brand von Istanbul am 17. September 1755 wurde die Anlage vollständig zerstört.
Der 1756 auf Befehl von Sultan Osman III. wiedererrichtete Baukomplex diente dem Osmanischen Reich als erstes administratives Zentrum der Zivilbürokratie und als Regierungsgebäude modernen Zuschnitts.
Während des Aufstands um Alemdar Mustafa Pascha im Jahr 1808 wurde die Anlage abermals vollständig zerstört.
Das 1809 unter Sultan Mahmud II. neu aufgebaute Bauwerk fiel 1839 erneut einem Großbrand zum Opfer.
Da dieses Ereignis zur endgültigen Abkehr von der traditionellen Holzbauweise im osmanischen Kommunal- und Regierungsbau führte, entstand das Bauwerk 1844 als massiver Mauerwerksbau (in Ziegel- und Natursteintechnik) neu.
Nach einem weiteren verheerenden Brand im Jahr 1911 stürzte der Mittelrisalit des ursprünglich dreiteiligen monumentalen Gebäudekomplexes ein; hierdurch entstand die noch heute erhaltene Raum- und Flügelkonzeption.
In den Jahren 1980, 1997 sowie 2026 wurden an den Fassaden sowie im Innenbereich denkmalgerechte Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen vorgenommen.
Besondere Merkmale
Der heute als Gouverneurspalast (Vilayet Konağı) bekannte Komplex wurde bis zum späten 18. Jahrhundert als Pascha-Palast, Pascha-Pforte oder Bab-ı Asafî bezeichnet; ab der Regentschaft von Sultan Abdülhamid I. etablierte sich die Bezeichnung Bab-ı Ali (Bab bedeutet Pforte, Ali hoch bzw. erhaben – im Abendland traditionell als Hohe Pforte bekannt).
Das Bauwerk markiert einen Meilenstein der osmanischen Architekturgeschichte: Es ist der erste massive Stein- und Ziegelbau von Baumeister Stefan Kalfa, einem der bedeutendsten Architekten der Tanzimat-Epoche, dessen Handschrift durch einen horizontal gelagerten, zurückhaltenden und schlichten Empire-Stil geprägt ist.
Es handelt sich um das erste monumentale Regierungsgebäude des Osmanischen Reiches, das baulich vollkommen losgelöst vom Sultanspalast ausschließlich für die zivile Verwaltung und Ministeriumsbürokratie konzipiert wurde.
Das berühmte historische Hauptportal der Anlage wurde aus Ehrerbietung gegenüber dem Herrscher niedriger ausgeführt als der gegenüberliegende Parade-Pavillon (Alay Köşkü); die kalligrafischen Monumentalinschriften stammen von dem Meisterkalligrafen Yesarizade Mustafa İzzet Efendi.
Das auf dem Areal gelegene und vom Schweizer Architekten Gaspare Fossati entworfene Reichsarchivgebäude (Hazine-i Evrak) zählt bauhistorisch weltweit zu den frühesten modular konzipierten und feuchtigkeitsisolierten Zweckbauten für das Archivwesen.
Die tiefgreifenden Modernisierungs- und Verwestlichungsreformen des Osmanischen Reiches – darunter die grundlegende Neuorganisation der Fachministerien (Nezaret) – wurden in den Konferenzsälen dieses Bauwerks beschlossen.
Die Anlage war 1913 Schauplatz des sogenannten Überfalls auf die Hohe Pforte (Bab-ı Ali Baskını), der als erster moderner Militärstaatsstreich der türkischen Geschichte gilt; Kriegsminister Nazım Pascha wurde hierbei erschossen und Großwesir Kamil Pascha mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen.
Seit dem 29. Oktober 1923 firmiert der einstige Großwesirssitz offiziell als Vilayet Konağı und dient bis heute als oberster Sitz der zivilen Landesverwaltung und zentraler Repräsentationsort des Staates in Istanbul.

